Jusos weisen Kritik der Pädagogenverbände an Gesamtschulkonzept der SPD als haltlos zurück

Veröffentlicht am 12.05.2010 in Bildung

Gegliedertes Schulsystem ist reformunfähig

Zur Kritik an dem von der BayernSPD beschlossenen Antrag zur Gemeinschaftsschule (siehe PNP Niederbayernteil am 11.05.10) erwidern die Jusos Niederbayern:

„Es ist wenig überraschend, dass insbesondere aus bürgerlichen Kreisen versucht wird Stimmung gegen die Gemeinschaftsschule zu machen. Offenbar halten so manche die Ständegesellschaft noch für zeitgemäß.

Es ist vollkommen falsch wenn der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Meidinger behauptet, dass Gemeinschaftsschulen weder bessere Leistungen noch mehr Bildungsgerechtigkeit bewirken. Unredlich und blanker Unfug ist die Ansicht des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Johann Kraus, wonach das Programm der SPD „pädagogisch wie schulpolitisch grundfalsch“ sei.

Das Gegenteil ist der Fall. Längeres gemeinsames Lernen ermöglicht Kindern ihre Talente und Interessen viel besser zu entfalten. Eine gemeinsame Schule bis zur 10. Klasse begünstigt sowohl die vermeintlich Stärkeren wie auch die vermeintlich Schwächeren. Die Gemeinschaftsschule bietet einen geeigneten Rahmen für individuelle Förderung und ist damit eine Grundvoraussetzung für Bildungsgerechtigkeit,“ erklärt der Juso-Bezirksvorsitzende Martin Oswald aus Teisnach.

„Die momentane Aufteilung von „Leistungsstarken“ und „Leistungsschwachen“ nach der vierten Klasse ist bildungs- und sozialpolitischer Unsinn. Diese Selektion ist insbesondere eine soziale, denn in kaum einem anderen Industriestaat entscheidet die sozio-ökonomische Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland. Dies hängt ganz entscheidend mit der Dreigliedrigkeit zusammen. Kinder aus AkademikerInnenhaushalten haben eine vielfach höhere Chance das Gymnasium zu besuchen als Kinder aus sogenannten bildungsfernen Haushalten. Das liegt gewiss nicht daran, dass sie per se um ein Vielfaches klüger sind. Die finanzielle Situation der Eltern ist immer noch ausschlaggebend für den Bildungsweg ihrer Kinder“, so Oswald weiter.

Die BayernSPD habe mit ihrem Beschluss zur Gemeinschaftsschule ein wichtiges Signal gesetzt. Ziel müsse jedoch sein, auch entgegen der persönlichen Ansicht von SPD-Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann, dass die Gemeinschaftsschule mittelfristig alle anderen Schularten ersetze. Die Gemeinschaftsschule dürfe keine Zusatzschule zu den jetzigen Schularten sein. Der Juso-Bezirksvorsitzende stellt klar: „Wir sind für die Abschaffung von Hauptschule, Realschule und Gymnasium zugunsten einer inklusiven Gemeinschaftsschule, die kein Kind aufgrund kultureller, finanzieller und sozialer Herkunft diskriminiert. Inklusion ist entscheidend für die bestmögliche Bildung aller Kinder.“

Stellv. Juso-Landesvorsitzender Thomas Asböck (Rottal-Inn) hält dem Philologen- und Realschullehrerverband Lobbyismus und Standesdenken vor. „Es geht darum, bestmögliche Voraussetzungen für alle SchülerInnen zu gewährleisten. Diese Voraussetzungen erfüllt das derzeitige Schulsystem aber nicht. Ständig wird wie in diesem Falle auch von besserer individueller Förderung und mehr Durchlässigkeit geredet, es passiert aber nichts. Das Schulsystem ist reformresistent. Wenn die finanziellen Voraussetzungen stimmen und der Freistaat deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellt, dann ist es nur in einer Gemeinschaftsschule möglich, Klassenverbände aufzuheben, Lernbegabtere schneller zum mittleren Schulabschluss oder zur Hochschulreife zu befähigen und Lernschwächere intensiver zu betreuen."

Abschließend meint Oswald: „Wer am mehrgliedrigen Schulsystem festhält hat entweder keine Ahnung von Bildungspolitik oder ein starkes Interesse Bildungsprivilegien der Besserverdienenden zu erhalten. Wir lehnen diese Motivation entschieden ab und wollen deshalb Bildungsgerechtigkeit auch gegen Widerstände in einzelnen Interessensverbänden durchsetzen.“

 

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